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Marxismus ist eine Wissenschaft!
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Die folgende Grundlagenschule wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts von der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, im Internet zu finden unter www.sdaj-online.de) zusammengestellt. Sie besteht aus ausgewählten Texten zu den Themen Philosophie, Politische Ökonomie und Geschichte der Arbeiterbewegung. Sie sollen der gemeinsamen Diskussion über die Marxistische Weltanschauung in Gruppen und Arbeitsgemeinschaften dienen. Nachdem sie in dieser Form nicht mehr im Internet steht, die Zusammenstellung der Texte uns aber nach wie vor für einen Einstieg mehr als gut ausgesucht vorkommt, stellen wir sie so, wie sie damals war, wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung, nicht ohne Michi und Thomas, die für die SDAJ die Auswahl nach der Konterrevolution in Osteuropa und der UdSSR besorgten, nochmals für ihre Arbeit zu danken, die wir intern seit einiger Zeit nutzen. |
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Inhalt: Einleitung I. Marxistische Philosophie:
II. Politische Ökonomie:
III. Geschichte der Arbeiterbewegung
Einleitung:
Wir haben versucht, mit dieser vorliegenden Auswahl aus dem reichhaltigen und spannenden Arsenal marxistischer Literatur einen allgemeinverständlichen Einstieg in unsere weltanschaulichen Grundlagen zu präsentieren. Es ist also weder ein umfassendes Lehrbuch, noch behandelt es die Themenschwerpunkte erschöpfend. Wir wollten mit dieser Grundlagenschule ein Hilfsmittel bereitstellen, das die ideologische Arbeit der Gruppen unseres Verbandes anheizen, erleichtern und bereichern soll. Auch wir gehen davon aus, daß sich in der heutigen Zeit alte Fragen neu stellen und neue hinzugekommen sind. Aber wer marxistische Politik, Arbeiterjugendpolitik machen will, muß wissen, was das ist, muß sich die Grundlagen aneignen. Dies geht nicht im Über- und schon gar nicht im Blindflug. Aneignung heißt Informationen aufnehmen und sich auseinandersetzen, heißt zuhören und streiten, die Erfahrungen der Klassiker mit aktuellem Widerspruch verbinden. Wir meinen, daß die aufgeworfenen ideologischen Fragen weder verstaubt sind noch daß sie irgendwelchen angeblichen Spezialisten überlassen werden dürfen. Die SDAJ wird nicht zuletzt an der Frage gemessen werden, in wieweit es gelingt, in unseren Gliederungen interessante und spannende Bildungsarbeit zu organisieren. Dazu braucht es engagierte Genossinnen und Genossen, die dies als ihre Aufgabe verstehen, die auf ideologische Arbeit in den Gruppen drängen, Bildungsabende vorbereiten und den künstlichen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis dort hinschmeißen, wo er hingehört- auf den Müll. Wir wünschen allen Genossinnen und Genossen viel Konzentration und Spaß, viel streitbare Diskussion und Vergnügen mit dieser Grundlagenschule. Michi und Thomas
Was ist Philosophie ?
Jede Wissenschaft hat die Aufgabe, einen bestimmten Bereich der Natur oder der Gesellschaft auf seine grundlegenden Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zu erforschen. Die Kenntnisse darüber dienen uns als eine Grundlage für unser praktisches Handeln. Die Erkenntnisse der Physik über die Gesetze der mechanischen Bewegung, der Thermodynamik, der Elektrodynamik, der Optik usw. gestatten uns, Werkzeugmaschinen, Motoren, Elektrogeräte, optische Geräte usw. zu konstruieren, zu bauen und praktisch anzuwenden. Allgemeiner können wir das so formulieren: Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und technische Wissenschaften setzen uns durch die Erforschung der Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft in die Lage, die Naturkräfte und Naturprozesse in den Dienst der Menschen zu stellen, die Natur immer besser zu beherrschen.
Nun zurück zur Philosophie! Hat sie ebenfalls eine solche Aufgabe? Bringt sie uns den gleichen Nutzen? In welchem Verhältnis stehen Philosophie und Einzelwissenschaften? Ohne diese Fragen zu klären, können wir auch nicht bestimmen, was Philosophie ist. Das Wort "Philosophie" stammt bekanntlich aus dem Griechischen und bedeutet "Liebe zur Weisheit". Im griechischen Altertum verstand man unter Philosophie zunächst die Gesamtheit des menschlichen Wissens. Die Kenntnisse über die Natur und die Gesellschaft, über das Denken und über das Verhalten der Menschen bildeten Teilgebiete der Philosophie. Erst später sonderten sich einzelne Wissensgebiete von der Philosophie und nahmen eine selbständige Entwicklung. Diese Verselbständigung der Einzelwissenschaften setzte besonders mit der Renaissance verstärkt ein und fand erst in unserem Jahrhundert ihren Abschluß. Aber was blieb dann für die Philosophie übrig, wenn sich immer mehr Wissensgebiete von ihr trennten? Verlor sie damit nicht ihren Gegenstand und damit auch ihre Existenzberechtigung?
Ganz im Gegenteil: Erst dadurch wurde deutlich, was den Gegenstand der Philosophie bildet, mit welchen Problemen sie sich befassen muß und welche Bedeutung der Philosophie zukommt. Schon innerhalb der antiken Philosophie, die noch das gesamte Wissen umfaßte, entwickelte sich ein spezielles Gebiet, welches sich mit den allgemeinen und fundamentalen Fragen der Welt, des Menschen und des Wissens überhaupt befaßte. Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322v.u.Z.) nannte dies die "erste Philosophie": "Es gibt eine Wissenschaft, die das Seiende, insofern es seiend ist, betrachtet und das, was diesem an sich zukommt."
Hieraus ist im Laufe der Entwicklung die Philosophie als ein besonderes Wissensgebiet hervorgegangen.
Wodurch unterscheidet sich die Philosophie von den Einzelwissenschaften?
Die Philosophie richtet ihre Untersuchung auf die allgemeinen Zusammenhänge und Eigenschaften der Welt und aller Erscheinungen, auf die allgemeine Natur des Menschen und seiner Fähigkeiten, auf das Verhältnis des Menschen zur Welt. Sie versucht im Unterschied zu den verschiedenen Wissenschaften, die sich mit bestimmten Teilbereichen der Welt befassen, die Welt als Ganzes denkend zu erfassen und so eine umfassende Weltanschauung zu entwickeln.
Warum entstand die Philosophie, was waren die Ursachen dafür?
In der Urgesellschaft gab es noch keine Philosophie und keine Wissenschaft. Die unerklärlichen Naturvorgänge wurden dem Wirken höherer Mächte (Götter, Dämonen, Geister etc.) zugeschrieben. Auch die feste Ordnung des gesellschaftlichen Lebens und das Schicksal des einzelnen Menschen wurde auf diese überirdischen Kräfte zurückgeführt. Das Denken der Menschen war noch sehr stark von mythologischen Vorstellungen beherrscht. Nach der Auflösung der Urgesellschaft und der Entstehung der Klassengesellschaft änderte sich das Leben der Menschen sehr rasch. Insbesondere in den Stadtstaaten der griechischen Sklavenhaltergesellschaft vollzogen sich einschneidende Veränderungen, welche die frühere Lebensweise und Denkweise der Menschen erschütterten. Die rasche Entwicklung der Produktivkräfte auf Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln, die Entfaltung des Handwerks und des Handels, das Aufkommen des Geldes, des Wuchers und des Zinses führten dazu, daß sich scharfe Klassengegensätze herausbildeten. Es kam zu heftigen Klassenkämpfen zwischen der grundbesitzenden Sklavenhalteraristokratie und den Handwerk, Gewerbe und Handel betreibenden Schichten der Sklavenhalterklasse, in deren Verlauf das gesellschaftliche und politische Leben grundlegend verändert wurde. Die überlieferten religiösen Auffassungen, welche die Herrschaft der Aristokratie begründeten, gerieten ebenso ins Wanken wie die bisherigen Normen, Regeln und Gewohnheiten des Zusammenlebens und Verhaltens der Menschen. In der Auseinandersetzung mit der religiösen Mythologie entwickelten sich die wissenschaftliche Erkenntnis und die Philosophie, um Antworten auf die neuen Fragen zu geben, welche die Menschen damals bewegten. Grundfrage der Philosophie, Materialismus, Idealismus Was ist der Inhalt der Grundfrage der Philosophie?
Engels hat sie in folgenden Worten formuliert: "Die große Grundlage aller, speziell neueren Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein ... je nachdem diese Frage so oder so beantwortet wurde, spalten sich die Philosophen in zwei große Lager. Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur behaupteten, also in letzter Instanz eine Weltschöpfung irgendeiner Art annahmen..., bildeten das Lager des Idealismus. Die andern, die die Natur als das Ursprüngliche ansahen, gehören zu den verschiedenen Schulen des Materialismus." (F.Engels: "Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie")
Doch wie ist das zu verstehen? Das Verhältnis von Sein und Denken oder allgemeiner von Materie und Bewußtsein bildet den Inhalt der Grundfrage der Philosophie.
In der bloßen Wahrnehmung finden wir nicht zwei getrennte, voneinander unabhängige Welten, eine "Welt der Materie" und eine "Welt des Bewußtseins". Bewußtsein finden wir nur als menschliches Bewußtsein, als Produkt der Sinnes- und Hirntätigkeit und der praktischen gesellschaftlichen Tätigkeit des Menschen. Es existiert immer nur als Bestandteil des materiellen Lebensprozesses der Menschen.
Warum ist es für die Menschen wichtig, das Verhältnis zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen realem Sein und Denken richtig zu bestimmen? Ist das vielleicht nur eine "philosophische Spinnerei", eine künstlich ausgedachte Frage? Keineswegs ! Wenn wir uns mit unserer Umwelt praktisch auseinandersetzen, im Arbeitsprozeß auf sie einwirken und sie entsprechend unseren Bedürfnissen verändern, bilden unsere materielle praktische Tätigkeit und die geistige Tätigkeit unseres Bewußtseins eine untrennbare Einheit. Sie sind eng miteinander verflochten. Wenn wir hierbei aber erfolgreich sein und die angestrebten Resultate auch wirklich erreichen wollen, müssen wir es lernen, deutlich zwischen den Gegenständen der materiellen Welt einerseits und unseren Wahrnehmungen, Vorstellungen und Gedanken über diese Welt andererseits zu unterscheiden. Und genauso müssen wir zwischen der materiellen praktischen Tätigkeit, welche die Gegenstände tatsächlich verändert, und den gedanklichen Operationen des Bewußtseins unterscheiden, die allein überhaupt nichts verändern können. Die
Menschheit hat lange Zeit gebraucht, bis sie diesen fundamentalen
Unterschied zwischen materiellen und geistigen Erscheinungen
verstand. Und eine noch längere Zeit war erforderlich, diese
Unterscheidung auch begrifflich herauszuarbeiten und in Begriffen
festzuhalten. Das setzte eine bestimmte Entwicklungsstufe der
gesellschaftlichen Verhältnisse und des theoretischen Denkens
voraus, weshalb diese Unterscheidung erst in der antiken
griechischen Philosophie erfolgte. Seither spielt die Frage nach
dem Verhältnis von Seele und Körper, von Geist und
Natur, von Denken und Sein, von Bewußtsein und Materie eine
bedeutende Rolle im philosophischen Denken. Weil die Grundfrage der Philosophie die höchste Frage ist, führt ihre Beantwortung unmittelbar zu einer der beiden möglichen Grundrichtungen der Philosophie: entweder zum Materialismus oder zum Idealismus.
Was verstehen wir unter Materialismus und Idealismus ?
Die materialistische Beantwortung der Grundfrage der Philosophie besagt erstens, daß die Materie dem Bewußtsein zeitlich vorausgeht.
Die Materie existiert vor dem Bewußtsein, denn sie ist ewig und unendlich. Das Bewußtsein aber entsteht erst auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Materie. Seine Existenz hängt von ganz bestimmten Bedingungen ab, deshalb ist es vergänglich, bedingt und endlich. Die Einsicht, daß die Materie ewig ist, daß sie weder vernichtet noch erschaffen werden kann, ist eine gesicherte philosophische Erkenntnis von grundlegender Bedeutung. Sie gründet sich auf umfassendes und unumstößliches wissenschaftliches Beweismaterial, insbesondere auf die physikalischen Erhaltungssätze, die besagen, daß weder Masse noch Energie vernichtet oder aus Nichts erschaffen werden können. Wir wissen weiter aus der Erforschung der Geschichte unserer Erde, daß es auf ihr vor einigen Milliarden Jahren noch kein Leben gab. Folglich konnte es auch keine mit Bewußtsein begabten Lebewesen geben. Erst nach längeren Entwicklungsprozessen entstanden Formen belebter Materie. Aus deren Evolution gingen schließlich auch die ersten Menschen hervor, und mit ihnen entstand erst ein voll ausgebildetes Bewußtsein.
Die Biologie, die Physiologie, insbesondere die Richtungen der Physiologie, die die Funktion der Sinnesorgane und der Nerven erforschen, haben die Entwicklung der natürlichen Voraussetzungen des menschlichen Bewußtseins detailliert untersucht. Durch diese Forschungen besitzen wir eine relativ geschlossene Kenntnis darüber, wie die biologische Evolution bei den tierischen Vorfahren des Menschen zur Herausbildung der natürlichen Voraussetzungen des Bewußtseins geführt hat. Wir wissen, wie sich in diesem Entwicklungsprozeß die Organisation und Funktionsweise des Nervensystems und der Sinnesorgane sowie die hierauf beruhende psychische Tätigkeit herausgebildet haben. Aus diesen Vorstufen und Voraussetzungen des Bewußtseins, die es bereits bei den höchstentwickelten Tieren gibt, konnte das menschliche Bewußtsein aber erst allmählich unter dem Antrieb der beginnenden Arbeitstätigkeit der Menschen entstehen. Der Übergang von der instinktiv-biologischen Lebenstätigkeit der tierischen Vorfahren der Menschen zur kollektiven Arbeitstätigkeit, zur gemeinschaftlichen Anfertigung und Anwendung von Werkzeugen, war der entscheidende Schritt, der zur Herausbildung der Sprache und des abstrakt-begrifflichen Denkens führte. Die kollektive Arbeit verstärkte das Bedürfnis der Menschen nach Verständigung miteinander. Die hieraus hervorgehende Sprache erwies sich in Wechselwirkung mit der Arbeit als ein Faktor, der die Entwicklung des Bewußtseins, des Denkens förderte. Friedrich Engels hat diesen Prozeß wie folgt beschrieben: "Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommenere eines Menschen allmählich übergegangen ist... Die Rückwirkung des Gehirns und seiner dienstbaren Sinne, des sich mehr und mehr klärenden Bewußtseins, Abstraktions- und Schlußvermögens auf Arbeit und Sprache gab beiden immer neuen Anstoß zur Weiterbildung..." (F.Engels, "Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen"). Diese Auffassung ist in der Folgezeit durch die Anthropologie, die Neurophysiologie und die Psychologie in vollem Umfang bestätigt und auf der Grundlage der neuen Forschungsergebnisse weiter präzisiert worden.
Die materialistische Beantwortung der Grundfrage der Philosophie besagt drittens, daß das Bewußtsein eine ideelle Widerspiegelung der materiellen Welt ist. Das Bewußtsein erzeugt seine Inhalte nicht aus sich selbst, sie fließen ihm auch nicht aus übernatürlichen Quellen zu, sondern es gewinnt sie aus der geistigen Aneignung und Widerspiegelung der materiellen Welt in Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen, Begriffen, Aussagen, Theorien usw. Der Inhalt des menschlichen Bewußtseins ist also eine Widerspiegelung, eine Abbildung der materiellen Welt. Diese Widerspiegelung entwickelt sich auf der Grundlage der jeweils gegebenen Entwicklungsstufe der gesellschaftlichen Praxis des Menschen, sie ist also historisch bestimmt. Dank seinem ideellen Charakter ist das Bewußtsein in der Lage, die materielle Welt widerzuspiegeln. Es kann so verallgemeinernde und abstrahierende Abbilder wesentlicher Eigenschaften und Zusammenhänge der äußeren Welt schaffen, sie speichern und mit ihnen operieren. Das Bewußtsein widerspiegelt nicht nur die Gegenstände, Prozesse, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten der objektiven Welt, sondern immer auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, Interessen und Bedürfnisse, auf deren materieller Grundlage es entsteht und sich entwickelt.
Die materialistische Beantwortung der Grundfrage der Philosophie besagt viertens schließlich, daß das Bewußtsein den Menschen als Mittel der aktiven Umgestaltung der Welt dient.
Der Materialismus in allen seinen historischen Formen stand stets im Gegensatz zum Idealismus und hat sich in ständiger Auseinandersetzung mit dem Idealismus entwickelt.
Erkennbarkeit der Welt – Marxistische Erkenntnistheorie
Erkennen ist eine besondere Art der bewußten Widerspiegelung der objektiven Welt im gesellschaftlichen Bewußtsein, die sich durch charakteristische Merkmale auszeichnet. Worin bestehen sie? Erkennen ist theoretische Aneignung der objektiven Welt, daß heißt eine Widerspiegelung, die sich auf die wesentlichen Eigenschaften, die allgemeinen Strukturen und die Gesetzmäßigkeiten der objektiven Welt richtet. Ihr Ziel ist, möglichst exakte gedankliche Abbilder dieser Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zu gewinnen und diese in Form von Begriffen, Gesetzesaussagen, Formeln, Hypothesen, Theorien usw. zu einem gedanklichem Modell von Bereichen der Natur und Gesellschaft zu verarbeiten. Die adäquaten Abbilder von wesentlichen Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten der objektiven Welt, die Erkenntnisse, dienen den Menschen als theoretische Grundlage ihrer zweckmäßigen Tätigkeit. Sie ermöglichen es ihnen, diese Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zum Zweck der planmäßigen Veränderung und Beherrschung von Naturprozessen und Gesellschaftsprozessen praktisch auszunutzen und anzuwenden.
«Wie verhalten sich unsere Gedanken über die uns umgebende Welt zu dieser Welt selbst? Ist unser Denken imstande, die wirkliche Welt zu erkennen, vermögen wir in unsern Vorstellungen und Begriffen von der wirklichen Welt ein richtiges Spiegelbild der Wirklichkeit erzeugen? Diese Frage heißt in der philosophischen Sprache die Frage nach der Identität von Denken und Sein und wird von der weitaus größten Zahl der Philosophen bejaht … Daneben gibt es aber noch eine Reihe andrer Philosophen, die die Möglichkeit einer Erkenntnis der Welt oder doch einer erschöpfenden Erkenntnis bestreiten … Die schlagenste Widerlegung dieser wie aller andern philosophischen Schrullen ist die Praxis, nämlich das Experiment und die Industrie. Wenn wir die Richtigkeit unsrer Auffassung eines Naturvorgangs beweisen können, indem wir ihn selbst machen, ihn aus seinen Bedingungen erzeugen, ihn obendrein unsern Zwecken dienstbar werden lassen, so ist es mit dem Kantschen unfaßbaren ‘Ding an sich’ zu Ende».(Engels, «Ludwig Feuerbach…»)
«The proof of the pudding is in the eating. In dem Augenblick, wo wir diese Dinge, je nach den Eigenschaften, die wir in ihnen wahrnehmen, zu unserm eignen Gebrauch anwenden, in dem selben Augenblick unterwerfen wir unsre Sinneswahrnehmungen einer unfehlbaren Probe auf ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit. Waren diese Wahrnehmungen unrichtig, dann muß auch unser Urteil über die Verwendbarkeit eines solchen Dings unrichtig sein, und unser Versuch, es zu verwenden muß fehlschlagen. Erreichen wir aber unsern Zweck, finden wir, daß das Ding unsrer Vorstellung von ihm entspricht, daß es das leistet, wozu wir es anwandten, dann ist dies positiver Beweis dafür, daß innerhalb dieser Grenzen unsre Wahrnehmung von dem Ding und von seinen Eigenschaften mit der außer uns bestehenden Wirklichkeit stimmen.» (Engels «Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft»)
Dialektik - Grundgesetze und Triebkräfte der Entwicklung
Die materialistische Dialektik ist "die Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschengesellschaft und des Denkens". (Engels, "Anti-Dühring")
Erstens das Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze. Zweitens das Gesetz vom Umschlagen quantitativer Veränderungen in neue qualitative Zustände. Drittens das Gesetz der Negation der Negation.
Das Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze erklärt die Quelle, die Ursachen und die Triebkräfte der Entwicklung. In jedem natürlichen und gesellschaftlichen System befinden sich bestimmte Elemente, Kräfte, Tendenzen, Prozesse usw. in einer aktiven Wechselwirkung. Sie bilden im Rahmen des Systems eine Einheit, bedingen einander, aber schließen einander zugleich aus, wirken in entgegengesetzter Richtung, das heißt, sie liegen sozusagen im "Kampf" miteinander. Dieser "Kampf" der Gegensätze, die sich im Verhältnis der Einheit und des gleichzeitigen "Kampfes" befinden, bilden einen dialektischen Widerspruch. Alle materiellen Systeme und Prozesse sind durch dialektische Widersprüche charakterisiert. Diese dialektischen Widersprüche bestimmen die Struktur und die Entwicklung der materiellen Systeme, sie sind die eigentliche Quelle der Bewegung und Entwicklung. Aus diesem Grund hat Karl Marx auch den Widerspruch als "die Springquelle aller Dialektik" bezeichnet ("Das Kapital", Bd.1), und Lenin nannte die Lehre vom Widerspruch den "Kern der Dialektik" ("Konspekt zu Hegels Wissenschaft der Logik").
Die dialektische Negation bedeutet, daß im Entwicklungsprozeß die Qualität, in deren Rahmen die Entwicklung bisher erfolgte, aufgehoben, beseitigt, überwunden wird und eine neue Qualität entsteht. Aber die alte Qualität wird nicht einfach vernichtet, sie verschwindet nicht spurlos. Vielmehr wird bei dieser Negation das bisherige positive Entwicklungsresultat aufbewahrt, es wird in die neue Qualität übernommen und dient hier als Grundlage der weiteren Entwicklung. Nachdem eine neue Qualität entstanden ist, vollzieht sich die weitere Entwicklung in ihrem Rahmen. Wenn die quantitativen Veränderungen ein bestimmtes Maß erreicht haben, erfolgt erneut der Umschlag in eine neue Qualität, das heißt, die frühere Qualität wird ebenfalls negiert. Diese war die Negation der vorangegangenen Qualität, nun wird sie ihrerseits negiert. Betrachten wir den ganzen Entwicklungszyklus in seinem Verlauf und Zusammenhang, dann können wir ihn als Negation der Negation charakterisieren. Das Gesetz der Negation der Negation erklärt die allgemeine Richtung der Entwicklung als Fortschreiten vom niederen zum höheren und zeigt den inneren Zusammenhang der Entwicklungsstadien.
Bedeutung der Praxis in der marxistischen Philosophie
„In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit ... seines Denkens beweisen" (Marx, "Thesen über Feuerbach").
Praxis ist die gesellschaftliche, materiell-gegenständliche Tätigkeit der Menschen, die darauf gerichtet ist, die natürliche und gesellschaftliche Umwelt entsprechend den Zwecken der Menschen bewußt und zielgerichtet zu verändern. In der Praxis, in der materiellen Produktion, der politischen Tätigkeit usw. werden die über Natur und Gesellschaft gewonnenen Erkenntnisse angewandt. Bei dieser Anwendung zeigt sich, wieweit sie mit der objektiven Realität übereinstimmen. Wenn eine Erkenntnis bei ihrer Anwendung zu den im voraus berechneten Ergebnissen führt, dann ist das ein unwiderlegbarer Beweis dafür, daß diese Erkenntnis ein wahres Abbild des betreffenden Gegenstandes oder Vorganges ist. Dann wissen wir, daß dieses Abbild tatsächlich mit der objektiven Realität übereinstimmt. "Die Herrschaft über die Natur, die sich in der Praxis der Menschheit äußert, ist das Resultat der objektiv richtigen Widerspiegelung der Erscheinungen und Vorgänge der Natur im Kopfe des Menschen, ist der Beweis dafür, daß diese Widerspiegelung (in den Grenzen dessen, was uns die Praxis zeigt) objektive, absolute, ewige Wahrheit ist." (Lenin, "Materialismus und Empiriokritizismus")
Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft Historischer Materialismus - Marxistische Geschichtsauffassung
"Wir müssen ... damit anfangen, daß wir die erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die Voraussetzung, daß die Menschen imstande sein müssen zu leben, um 'Geschichte machen' zu können. Zum Leben aber gehört vor allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges andere. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse, die Produktion des materiellen Lebens selbst, und zwar ist dies eine geschichtliche Tat, eine Grundbedingung aller Geschichte, die noch heute, wie vor Jahrtausenden, täglich und stündlich erfüllt werden muß, um die Menschen nur am Leben zu erhalten ... Das Zweite ist, daß das befriedigte erste Bedürfnis selbst, die Aktion der Befriedigung und das schon erworbene Instrument der Befriedigung zu neuen Bedürfnissen führt - und diese Erzeugung neuer Bedürfnisse ist die erste geschichtliche Tat ... Das dritte Verhältnis, was hier gleich von vornherein in die geschichtliche Entwicklung eintritt, ist das, daß die Menschen, die ihr eignes Leben täglich neu machen, anfangen, andre Menschen zu machen, sich fortzupflanzen - das Verhältnis zwischen Mann und Weib, Eltern und Kindern, die Familie." (Marx/Engels, "Die deutsche Ideologie") "In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt." (Marx, "Zur Kritik der politischen Ökonomie" - Vorwort) Kurze BegriffsklärungenProduktionsverhältnisse:
Soziale Beziehungen, die die Menschen in der Produktion und Reproduktion ihres materiellen Lebens untereinander eingehen, weil die Produktion immer auf gesellschaftliche Weise, im Zusammenwirken vieler Menschen vonstatten geht; sie umfassen das (z.B. private oder gesellschaftliche) Eigentum an den Produktionsmitteln sowie den Austausch und die Verteilung der erforderlichen Tätigkeiten bzw. erzeugten Güter (Die Verteilungsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft werden z.B. darin ausgedrückt, daß die Arbeiter Arbeitslohn und die Kapitalisten Profit erhalten).
Produktivkräfte:
Alle Kräfte, die benötigt werden, um materielle Güter zu Befriedigung menschliche Bedürfnisse herzustellen: körperliche und geistige Kräfte des Menschen selbst, Naturkräfte und -stoffe, entweder in unbearbeiteter Form als Rohstoffe, Wasserkraft und ähnliches oder in bereits bearbeiteter Form als Produktionsmittel (also Maschinen, Werkzeuge, Geräte, Technik, die Verwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse). Produktionsverhältnisse und Produktivkräfte bilden zusammen die Produktionsweise.
Juristischer und politischer Überbau:
Das ganze System des Staates und seiner Organe: Gesetzgebende und Verwaltungsorgane, Polizei, Justiz und Armee, die politischen Parteien und andere gesellschaftliche Organisationen, kulturelle Einrichtungen wie Bildungswesen, Presse, Rundfunk und Fernsehen, künstlerische Institutionen, die Kirche und anderes mehr.
Gesellschaftliche Bewußtseinsformen:
Die Ideen, Auffassungen, Überzeugungen, Theorien über das gesellschaftliche Leben, Ideologien, Rechtsnormen, moralische Regeln, künstlerische Darstellungen, die Religion, Weltanschauungen; sie stehen in einer engen Wechselwirkung zum "juristischen und politischen Überbau".
Sozialer Lebensprozeß:
Die Gliederung der Menschen in die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppierungen, vor allem und in erster Linie natürlich in Klassen, aber auch in Stadt- und Landbevölkerung, in Berufe oder andere Tätigkeitsbereiche, in Familien oder andere auf gemeinsame Abstammung, Verwandtschaft oder Herkunft beruhende soziale Einheiten. Ausgehend von der grundlegenden Bedeutung der Produktion und Reproduktion des materiellen Lebens für die menschliche Gesellschaft, deckten Marx und Engels in den Produktionsverhältnissen jene gesellschaftlichen Verhältnisse auf, von deren Charakter der Charakter aller übrigen gesellschaftlichen Verhältnisse letztlich abhängt. Die Produktionsweise ist also von grundlegender Bedeutung für das gesellschaftliche Leben: Sie ist erstens die grundlegende menschliche Lebenstätigkeit; ohne sie würde die Gesellschaft zugrunde gehen, hätten die Menschen keine Mittel, um ihr physisches Leben aufrechtzuerhalten. Diese allgemeine Funktion ist auf den verschiedenen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung dieselbe.
"Diese Weise der Produktion ist nicht bloß nach der Seite hin zu betrachten, daß sie die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist. Sie ist vielmehr schon eine bestimmte Art, ihr Leben zu äußern, eine bestimmte Lebensweise derselben. Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind fällt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was sie produzieren, als auch damit, wie sie produzieren." (Marx/Engels, "Die deutsche Ideologie")
Diesen letztlich in einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkräfte wurzelnden Gesamtzusammenhang des gesellschaftlichen Lebens bezeichnet der historische Materialismus als ökonomische Gesellschaftsformation.
Wir kennen die ökonomischen Gesellschaftsformationen der Urgesellschaft, der Sklavenhaltergesellschaft, des Feudalismus, des Kapitalismus und des Kommunismus.
Ökonomische Basis und gesellschaftlicher Überbau:
"Die materialistische Anschauung der Geschichte geht von dem Satz aus, daß die Produktion, und nächst der Produktion der Austausch ihrer Produkte, die Grundlage aller Gesellschaft ist; daß in jeder geschichtlich auftretenden Gesellschaft die Verteilung der Produkte, und mit ihr die soziale Gliederung in Klassen oder Stände, sich danach richtet, was und wie produziert und wie das Produzierte ausgetauscht wird. Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen, nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen in der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Ökonomie der betreffenden Epoche." (Engels, "Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft")
Die Art und Weise der Herstellung und Handhabung der Produktionsinstrumente in der Urgesellschaft setzte noch keine differenzierte Arbeitsteilung, keine vielfach gegliederte gesellschaftliche Produktion voraus. Sie zwang den Menschen jedoch, um des Überlebens Willen in Horden zusammenzuleben. Größeres Wild konnte mit den primitiven Jagdwaffen nur durch das Zusammenwirken einer Gruppe von Menschen erlegt werden. Die Höherentwicklung der Produktivkräfte, die Entwicklung einer gesellschaftlichen Arbeitsteilung und die allmähliche Steigerung der Produktivität der menschlichen Arbeit (Mehrprodukt) führten dann zu einer immer differenzierteren gesellschaftlichen Gliederung. Diese fand in einer ungleichen Verteilung der Güter zwischen den Menschen, in der Herausbildung des Privateigentums, in der Entstehung von Abhängigkeiten zwischen Menschen, in der Unterordnung der einen unter die anderen und schließlich in der Spaltung der Gesellschaft in Klassen ihren Ausdruck. Die Sklaverei war ein notwendiges gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Die Inangriffnahme großer Produktionsvorhaben wie Bauwerke oder Bewässerungsanlagen lediglich mit Handarbeit und bei völligem Desinteresse der unmittelbaren Produzenten (da diesen aus dem Mehrprodukt kein Nutzen erwuchs) setzte die Kooperation großer Massen von Arbeitern voraus, die durch schärfsten Zwang zusammengehalten wurden. Wieder andere Formen gegenseitiger gesellschaftlicher Beziehungen brachte die Art und Weise der bäuerlichen Arbeit im Mittelalter hervor: das Eigentum des Feudalherrn an Grund und Boden und dessen Bewirtschaftung durch Bauern, die den größten Teil des erzeugten Mehrproduktes an die Feudalherren abzuliefern hatten. Vielfältig sind die Formen, in denen sich die kapitalistische Lohnarbeit, die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Bourgeoisie, historisch herausbildete und in Erscheinung trat. Sie beruht einerseits auf dem Eigentum des Kapitalisten an den Produktionsmitteln und andererseits auf den Produzenten, welche lediglich über die eigene Arbeitskraft verfügen. Auch dieses Produktionsverhältnis entspricht einem bestimmten Entwicklungsstand der Produktivkräfte. Er findet insbesondere in der großen Industrie Ausdruck und ist durch ein vielfach differenziertes System gesellschaftlicher Arbeitsteilungen, durch weit vorangetriebene Spezialisierung der menschlichen Arbeit und durch die Zusammenarbeit großer Gruppen von Arbeitern im Maßstab großer Unternehmen gekennzeichnet.
"Was ist die Gesellschaft, was immer auch ihre Form sei? Das Produkt des wechselseitigen Handelns der Menschen. Steht es den Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Keineswegs. Setzen sie einen bestimmten Entwicklungsstand der Produktivkräfte der Menschen voraus, und sie erhalten eine bestimmte Form des Verkehrs .. und der Konsumtion. Setzen sie bestimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende Ordnung, eine entsprechende Organisation der Familie, der Stände oder der Klassen, mit einem Wort, eine entsprechende Gesellschaft .. Setzen Sie eine solche Gesellschaft voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung, .. die nur der offizielle Ausdruck der Gesellschaft ist." (Marx, Brief an P.W. Annenkow)
Klassen und Klassenkampf:
"Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer anderen aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft." (Lenin, "Die große Initiative") Klassen hat es nicht von Ewigkeit her gegeben. Sie sind eine historische, vorübergehende und vergängliche Erscheinung. Sie entstanden, als die Produktivität der menschlichen Arbeit groß genug war, um ein ständiges Mehrprodukt zu erzeugen. Im Zusammenhang damit bildete sich das Privateigentum heraus, und die Besitzer der Produktionsmittel gingen dazu über, sich das von den unmittelbaren Produzenten erzeugte Mehrprodukt anzueignen, sie auszubeuten. So entstand die Klassengesellschaft in Gestalt der Sklavenhalterordnung und ihres Gegensatzes von Sklavenhaltern und Sklaven, so prägte der Gegensatz von Feudalherren und feudalabhängigen Bauern den Feudalismus und der Gegensatz zwischen Proletariern und Kapitalisten den Kapitalismus.
"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.
Solange antagonistische (in nicht auflösbarem Widerspruch stehende) Klassen existieren, liefert das Verhältnis der verschiedenen Klassen zueinander, die Veränderung und Entwicklung ihrer gegenseitigen Beziehungen und Interessen den Schlüssel zum Verständnis aller anderen sozialen Beziehungen, Erscheinungen und Prozesse, die das Bild einer bestimmten Gesellschaft ausmachen. Greifen wir nur die wichtigsten heraus. Der Staat in einer antagonistischen Klassengesellschaft ist seinem Wesen nach das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Der Hauptinhalt der Tätigkeit der verschiedenen Organe und Einrichtungen der Staatsmacht ist die Unterdrückung, die Niederhaltung und Unterjochung der ausgebeuteten Klassen, die Aufrechterhaltung und Verteidigung der bestehenden Ordnung bzw. die Eroberung und Ausplünderung fremder Völker. Die Politik und das politische System einer Gesellschaft ist die Gesamtheit jener Beziehungen, Aktionen und Organisationen, in denen sich der Kampf der Hauptklassen um den Einfluß im Staat bzw. um die Macht konzentriert. Die politischen Parteien sind dazu da, den Interessen der verschiedenen Klassen oder einzelnen Gruppen dieser Klassen in diesem Kampf Geltung zu verschaffen. Auch Kriege sind eine Form des Klassenkampfes, ein Mittel zur gewaltsamen Durchsetzung von Klasseninteressen.
Was ist die politische Ökonomie des Kapitalismus?
Engels gab eine genaue Definition des Gegenstandes der politischen Ökonomie:
Die politische Ökonomie ist eine Gesellschaftswissenschaft. Sie erforscht die ökonomischen Gesetze, die in den gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in der Produktion, in der Verteilung, im Austausch und in der Konsumtion der für die Existenz der Gesellschaft notwendigen materiellen Güter auf den verschiedenen Stufen ihrer Entwicklung wirken. Im Gegensatz zu Behauptungen bürgerlicher Ökonomen ist die politische Ökonomie nicht schlechthin eine "Wissenschaft von der Produktion", sondern die Wissenschaft von den Produktionsverhältnissen der Gesellschaft und den in ihnen wirkenden ökonomischen Gesetzen. "Wenn also von Produktion die Rede ist", betont Marx, "ist immer die Rede von Produktion auf einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe - von der Produktion gesellschaftlicher Individuen." (Marx, "Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie")
"Ihr Gegenstand ist keineswegs, wie häufig gesagt wird, 'die Produktion materieller Werte' (das ist Gegenstand der Technologie), sondern ihr Gegenstand sind die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in der Produktion." (Lenin, "Zur Charakteristik der ökonomischen Romantik")
Wert, Geld, Preis - Das Wertgesetz
Aus: Lenin, "Karl Marx"
" 'Es ist der letzte Endzweck dieses Werkes', sagt Marx im Vorwort zum 'Kapital', 'das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen', d.h. der kapitalistischen, bürgerlichen Gesellschaft. Die Erforschung der Produktionsverhältnisse der gegebenen, historisch bestimmten Gesellschaft in ihrer Entstehung, ihrer Entwicklung und ihrem Verfall - das ist der Inhalt der ökonomischen Lehre von Marx. In der kapitalistischen Gesellschaft herrscht die Produktion von Waren, und die Marxsche Analyse beginnt daher mit der Analyse der Ware.
Der Wert
Eine Ware ist erstens ein Ding, das irgendein menschliches Bedürfnis befriedigt; sie ist zweitens ein Ding, das gegen ein anderes austauschbar ist. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Der Tauschwert (oder einfach Wert) ist vor allem ein Verhältnis, die Proportion, worin sich eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten einer Art gegen eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten anderer Art austauscht. Die tägliche Erfahrung zeigt uns, daß Millionen und Milliarden solcher Tauschakte alle, selbst die verschiedensten und miteinander nicht vergleichbaren Gebrauchswerte fortwährend einander gleichsetzen. Was haben nun diese verschiedenartigen Dinge miteinander gemein, die in einem bestimmten System gesellschaftlicher Verhältnisse fortwährend einander gleichgesetzt werden? Was sie miteinander gemein haben, ist, daß sie Arbeitsprodukte sind. Indem die Menschen Produkte austauschen, setzen sie die verschiedensten Arten von Arbeit einander gleich. Die Warenproduktion ist ein System von gesellschaftlichen Verhältnissen, bei dem die einzelnen Produzenten verschiedenartige Produkte erzeugen (gesellschaftliche Arbeitsteilung) und alle diese Produkte beim Austausch einander gleichgesetzt werden. Das Gemeinsame, das in allen Waren enthalten ist, ist also nicht die konkrete Arbeit eines bestimmten Produktionszweiges, nicht Arbeit einer bestimmten Art, sondern abstrakte menschliche Arbeit, menschliche Arbeit schlechthin. Die gesamte Arbeitskraft einer gegebenen Gesellschaft, die sich in der Summe de Werte aller Waren darstellt, gilt als ein und dieselbe menschliche Arbeitskraft: Milliarden von Tauschakten beweisen das. Folglich stellt jede einzelne Ware nur einen bestimmten Teil der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit dar. Die Wertgröße wird bestimmt durch das Quantum der gesellschaftlich notwendigen Arbeit oder die zur Herstellung einer gegebenen Ware, eines gegebenen Gebrauchswert gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. 'Indem sie' (die Menschen) 'ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es.' (Marx, "Das Kapital")
Die Verwandlung von Geld in Kapital
Der logische und historische Ausgangspunkt des Kapitals ist das Geld. Wie die Urformen des Kapitals in den vorkapitalistischen Produktionsweisen - Handels- und Wucherkapital - ihren Ausgangspunkt im Geld hatten, ist Geld auch der Ausgangspunkt des der kapitalistischen Produktionsweise zugrunde liegenden industriellen Kapitals. Jedes Kapital beginnt seine Bewegung in Geldform. Der entscheidende Unterschied zwischen Geld als Geld und Geld als Kapital äußert sich in unterschiedlichen Zirkulationsformen. Die Zirkulationsform des Geldes als Geld zeigt sich in der für die einfache Warenproduktion typischen Formel W(are) - G(eld) - W(are). In dieser Bewegung dient das Geld als Mittel des Warenaustausches. Auf der Grundlage des Äquivalenzprinzips werden Waren mit Hilfe des Geldes gegen andere Waren getauscht. Es wird produziert, um zu verkaufen, verkauft, um zu kaufen, gekauft, um zu konsumieren. Das Ziel der Bewegung ist die Erlangung von Gebrauchswerten, die Konsumtion. Eine Vermehrung des Geldes findet nicht statt.
Das Kapital – ein gesellschaftliches Verhältnis
An der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse erscheint das Kapital als eine Anhäufung von Dingen: Maschinen, Werkzeuge, Fabriken, Rohstoffe, Material usw.. Diese Dinge sind aber nur der stoffliche Träger eines Teils der Wertsumme, über die der Kapitalist verfügt. Damit der Wert seines Kapitals wachsen kann, muß ein anderer Wertbestandteil seines Kapitals in Arbeitskraft umgesetzt, die Arbeitskraft selbst dem Kapital einverleibt werden. Im kapitalistischen Produktionsprozeß dient der Wertbestandteil des Kapitals, der sich in Produktionsmitteln darstellt, als Mittel zur Aufsaugung des Wertes, den die Arbeitskraft der Lohnarbeiter schafft, vor allem als Mittel zur Aufsaugung der Mehrarbeit, die der Kapitalist sich unentgeltlich aneignet. Kapital ist also Wert, der durch die Ausbeutung der Lohnarbeiter Mehrwert bringt, "Mehrwert heckender Wert" (Marx, "Das Kapital"), sich selbst verwertender Wert.
Der Mehrwert Wert der Ware Arbeitskraft – Kapital, Mehrwert, Ausbeutung, AkkumulationAus: Lenin, "Karl Marx"
"Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Warenproduktion verwandelt sich Geld in Kapital. Die Formel der Warenzirkulation war: W (Ware) - G (Geld) - W (Ware), d.h. eine Ware verkaufen, um eine andere zu kaufen. Die allgemeine Formel des Kapitals dagegen ist: G-W-G, d.h. kaufen, um (mit Profit) zu verkaufen. Mehrwert nennt Marx diesen Zuwachs zum ursprünglichen Wert des in Umlauf gesetzten Geldes. Die Tatsache dieses 'Zuwachses' des Geldes im kapitalistischen Umlauf ist allgemein bekannt. Eben dieser 'Zuwachs' verwandelt das Geld in Kapital, als ein besonderes, historisch bestimmtes gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Der Mehrwert kann nicht aus der Warenzirkulation entspringen, denn diese kennt nur den Austausch von Äquivalenten; er kann auch nicht aus einem Preisaufschlag entspringen, denn die gegenseitigen Gewinne und Verluste der Käufer und Verkäufer würden sich ausgleichen, es handelt sich aber gerade um eine gesellschaftliche Massen- und Durchschnittserscheinung und nicht um eine individuelle Erscheinung. Um Mehrwert zu erhalten, muß der 'Geldbesitzer ... auf dem Markte eine Ware ... entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein' (Marx), eine Ware also, deren wirklicher Verbrauch zugleich Wertschöpfung wäre. Eine solche Ware gibt es. Es ist die Arbeitskraft des Menschen. Ihr Verbrauch ist Arbeit, Arbeit aber schafft Wert. Der Geldbesitzer kauft die Arbeitskraft zu ihrem Wert, der gleich dem Wert jeder anderen Ware durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird, die zu ihrer Herstellung notwendig ist (d.h. durch die Unterhaltskosten des Arbeiters und seiner Familie). Hat der Geldbesitzer die Arbeitskraft gekauft, so hat er das Recht, sie zu gebrauchen, d.h., sie einen ganzen Tag, sagen wir 12 Stunden, arbeiten zu lassen. Indes erzeugt der Arbeiter im Laufe von 6 Stunden (der 'notwendigen' Arbeitszeit) ein Produkt, durch das sein Lebensunterhalt gedeckt wird, im Laufe der übrigen 6 Stunden (der 'Surplus'arbeitszeit) aber erzeugt er ein vom Kapitalisten nicht bezahltes 'Mehr'produkt oder den Mehrwert. Folglich muß man vom Standpunkt des Produktionsprozesses zwei Teile des Kapitals unterscheiden: das konstante Kapital, das für die Produktionsmittel (Maschinen, Arbeitswerkzeug, Rohmaterial usw.) verausgabt wird - sein Wert geht (auf einmal oder in Teilen) unverändert auf das fertige Produkt über -, und das variable Kapital, das für die Arbeitskraft verausgabt wird. Der Wert dieses Kapitals bleibt nicht unverändert, sondern nimmt im Arbeitsprozeß durch Schaffung des Mehrwerts zu. Um den Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital auszudrücken, hat man daher den Mehrwert nicht mit dem Gesamtkapital, sondern nur mit dem variablen Kapital zu vergleichen. Die Rate des Mehrwerts, wie Marx dieses Verhältnis nennt, wird also in unserem Beispiel 6:6, d.h. 100 Prozent, betragen.
Der Mehrwert kann hauptsächlich durch zwei Methoden vergrößert werden: durch Verlängerung des Arbeitstages ('absoluter Mehrwert') und durch Verkürzung des notwendigen Arbeitstags ('relativer Mehrwert'). Bei der Analyse der ersten Methode entwirft Marx ein grandioses Bild vom Kampf der Arbeiterklasse für die Verkürzung des Arbeitstags und vom Eingreifen der Staatsgewalt zuerst zugunsten der Verlängerung des Arbeitstags (14.-17. Jahrhundert) und dann zugunsten seiner Verkürzung (die Fabrikgesetzgebung des 19. Jahrhunderts). Seit dem Erscheinen des 'Kapitals' hat die Geschichte der Arbeiterbewegung in allen zivilisierten Ländern der Welt Tausende und aber Tausende neuer Tatsachen geliefert, die dieses Bild vervollständigen.
Aus: "Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" von W.I. Lenin, geschrieben: Januar-Juni 1916
VII. Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus
Wir müssen nun versuchen, das oben über den Imperialismus Gesagte zusammenzufassen und gewisse Schlußfolgerungen zu ziehen. Der Imperialismus erwuchs als Weiterentwicklung und direkte Fortsetzung der Grundeigenschaften des Kapitalismus überhaupt. Zum kapitalistischen Imperialismus aber wurde der Kapitalismus erst auf einer bestimmten, sehr hohen Entwicklungsstufe, als einige seiner Grundeigenschaften in ihr Gegenteil umzuschlagen begannen, als sich auf der ganzen Linie die Züge einer Übergangsperiode vom Kapitalismus zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation herausbildeten und sichtbar wurden. Ökonomisch ist das Grundlegende in diesem Prozeß die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten. Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Übergang des Kapitalismus zu einer höheren Ordnung.
Würde eine möglichst kurze Definition des Imperialismus verlangt, so müßte man sagen, daß der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist. Eine solche Definition enthielte die Hauptsache, denn auf der einen Seite ist das Finanzkapital das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist, und auf der anderen Seite ist die Aufteilung der Welt der Übergang von einer Kolonialpolitik, die sich ungehindert auf noch von keiner kapitalistischen Macht eroberte Gebiete ausdehnt, zu einer Monopolpolitik der monopolistischen Beherrschung des Territoriums der restlos aufgeteilten Erde.
Doch sind allzu kurze Definitionen zwar bequem, denn sie fassen das Wichtigste zusammen, aber dennoch unzulänglich, sobald aus ihnen speziell die wesentlichen Züge der zu definierenden Erscheinung abgeleitet werden sollen. Deshalb muß man - ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann - eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde: 1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses "Finanzkapitals"; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besondere Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistische Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist . . .
Schlacht um den Weltmarkt - Krieg der Konzerne in der Triade von Fred Schmid, aus: ISW-Forum 1991, isw-report Nr. 9/10 Dezember 1991 (...) Weltmarkt-Triade
Die Situation ist heute dadurch gekennzeichnet, daß der Weltmarkt das Bestimmende ist, eine Marktwirtschaft nur als Welt-Marktwirtschaft existieren und funktionieren kann. Andererseits partizipiert nur ein Bruchteil der Menschheit an diesem Weltmarkt. Konkret erbringt und verkonsumiert ein knappes Viertel der Menschheit vier Fünftel der Weltwirtschaftsleistung (Welt-Bruttosozialprodukt). Nur für diesen Teil "funktioniert" der Weltmarkt als Markt. Der weitaus größte Teil der Weltbevölkerung ist de facto vom Weltmarkt abgekoppelt bzw. befindet sich im Status eines Zulieferers zu Zwangsbedingungen.
Dabei erfolgte in den vergangenen Jahren keine Angleichung, sondern die Kluft ist größer geworden, die Polarisierung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern hat zugenommen.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil es sich dabei um die Phase des längsten Wirtschaftswachstums nach dem Krieg handelte. Mit anderen Worten: Die sog. Prosperitätsphase ist nur dem reichen Norden zugutegekommen, die "Dritte Welt" aber gehört zu den Weltmarkt-Verlierern. (Ausgeklammert bleibt hierbei die Polarisierung in den Industrieländern selbst.)
Geographisch betrachtet findet dieser Weltmarkt in der sogenannten Triade statt.
1. Triade Bestandteile diese Dreiheit: * Nord-Amerika: USA mit Kanada plus Mexico * West-Europa: EG und EFTA-Länder ab 1993: EWR=Europäischer Wirtschaftsraum * "Pazifisches Becken" (Pazifik-Anrainer): Japan und die 4 "Kleinen Tiger" (Süd-Korea, Taiwan, Hongkong und Singapur) + Australien und Neuseeland + Indonesien, Philippinen. Tendenz: Regionalisierung d.h. Herausbildung von festen Wirtschaftsblöcken in den Triade- Zonen.
2. Multis Beherrscht werden diese Regionalmärkte von den Großkonzernen, die dort ihren Sitz haben - allen voran die Großkonzerne der ökonomischen Führungsmächte in den Triade-Teilen: USA, Japan, Deutschland. Für diese Großkonzerne sind die Regionalmärkte gewissermaßen die "Heimatmärkte", wie es Siemens-Chef Kaske in Beziehung zur EG ausdrückte. Entscheidend für ihre Perspektive - für das Überleben im weltweiten Konkurrenzkampf- ist aber, ob sie sich zu wirklichen Multis- zu internationalen Konzernen - weiterentwickeln, d.h. zu Konzerngebilden, deren Absatz, Produktion und Investitionen globalisiert sind, und die zu sog. "global sourcing" in der Lage sind. Was bedeutet, Internationalisierung der Materialbeschaffung, des Zuliefersystems bis zur globalen Beschaffung hochqualifizierter Arbeitskräfte, insbesondere Techniker, Naturwissenschaftler, Entwickler. Kurz, bei denen die Internationalisierung der Mehrwertbeschaffung die bestimmende Erscheinung ist.
Nach Siemens-Kaske sind Großunternehmen künftig nur dann überlebensfähig, wenn sie in mindestens zwei Regionen der Triade fest verankert sind. Die Alternative ist: Entweder zum global player aufzurücken oder aus dem Weltmarkt verdrängt zu werden.
Neu ist m.E. wiederum das Tempo, in dem der Prozeß der Globalisierung und Herausbildung multinationaler Konzerne gegenwärtig abläuft. Das hängt einmal mit der relativen Sättigung der Märkte zusammen - zum anderen ist es die Folge der rasanten Entwicklung der Produktivkräfte. Hier nur ein paar Worte zum letztgenannten Faktor:
Die rasante Entwicklung der Produktivkräfte beschleunigt das Innovationstempo gerade in High-Tech-Branchen immer mehr. Damit verkürzen sich die Lebenszyklen der Produkte und infolgedessen auch die Amortisierungszeiträume. Nach einer Umfrage der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) "hat sich die durchschnittliche Produktlebensdauer zwischen 1974 und 1989 von knapp zwölf auf 6,5 Jahre fast halbiert".
Im Zusammenhang damit steigt der Forschungs- und Entwicklungsaufwand für den jeweils neuen Technologiesprung progressiv an. Siemens-Vorstand Knorr am Beispiel der Chip-Entwicklung:"In der Regel dürften die Investitionen für jede weitere Generation- also den 16-M und den 64-M-DRam - um den Faktor 1,5 höher sein". Ähnlich ist die Entwicklung in der Automobilindustrie. Beim Modellwechsel geben die japanischen Konzerne einen immer kürzeren Takt vor. Mercedes-Benz rechnet für jedes neue Modell mit einem Investitionsaufwand von ca. 4 Mrd. DM.
Zudem entscheiden oft wenige Monate Entwicklungsvorsprung bei einer Produkt-Generation über schwarze oder rote Zahlen. Mit dem Mega- und dem 4 Mega-Bit-Chip waren die Japaner jeweils einige Monate früher in der Serienreife und machten das Geschäft. Als die Konkurrenz nachzog, verfielen die Preise und Siemens z.B. schrieb Milliardenverluste.
Steigende Entwicklungsaufwendungen und schnellerer Auf- und Umbau von Produktionskapazitäten infolge der kürzeren Lebenszyklen erfordern Kapitalvorschüsse, die nur noch kapitalstarke Konzern-Giganten erbringen können. Um bei wachsender organischer Zusammensetzung des Kapitals die Vorleistungen wieder einzuspielen und eine angemessene Profitrate zu erzielen, müssen Produktion und Absatz enorm ausgeweitet werden. Inlandsmarkt und selbst ein Regionalmarkt der Triade reichen dazu in der Regel nicht mehr aus. Produktion und Absatz müssen global expandieren, um entsprechende Segmente des Weltmarktes zu erobern. Während das Kapital generell danach strebt, einen möglichst großen Weltmarktanteil zu erobern, sind im High-Tech-Bereich bestimmte Weltmarktanteile die Bedingung, um überhaupt überleben zu können. Im Bereich der Telekommunikation z.B. beziffert Siemens diese "kritische Größe" auf 15% Weltmarktanteil.
Multis operieren global, zugleich aber von ihrer sog. Heimatbasis aus. Canon-Chef Keizo Yamaji drückte das so aus:"Canon wird einen Doppelcharakter bekommen. Das Zentrum wird Japan bleiben. Dort wird die grundsätzliche Philosophie festgelegt. Doch das operationale Management in Europa und den USA wird zunehmend unabhängig agieren." Ähnliche Tendenzen sind in allen "Weltkonzernen" zu beobachten. Die Treue zum Herkunftsland hängt nicht nur mit der Eigentümerstruktur zusammen - die in der Regel bei den Multis national geblieben ist-, sondern vielmehr - und auch in Wechselwirkung dazu - mit dem staatlichen Potential, das für die Globalstrategie eingefordert wird, die sog. Heimatbasis. Diese ist mehr als der "Heimatmarkt". Sie umfaßt Infrastruktur und politische Rahmenbedingungen des Herkunftslandes, staatliches Forschungs- und Entwicklungspotential, Subventionen und staatliche Auftragsvergabe. Gerade letztere munitioniert nicht unerheblich die Kriegskassen z.B. von Siemens und Daimler-Benz, wenn man an die staatlichen Milliarden-Aufträge und -Anzahlungen im Bereich Post/Telekom, Bahn, Verkehr, Militär, Luft- und Raumfahrt und Energieunternehmen denkt.
Während der Staat sich von seinen sozialen Aufgaben immer mehr zurückzieht (Deregulierung, Privatisierung), nimmt die Rolle des Nationalstaats in dem oben beschriebenen Bereich eher noch zu. Gerade auch in der Bundesrepublik findet zur Zeit kein Abbau, sondern eher eine Umschichtung von Subventionen statt:"Industriepolitik" zugunsten der High-Tech-Industrien zu Lasten der Subventionierung der "alten Industrien" und Landwirtschaft, und Abbau von Sozial-Investitionen.
Aus dem Leben von Karl Marx Aus: "Karl Marx" von W.I. Lenin, geschrieben: 1918
Karl Marx wurde am 5.Mai 1818 in Trier (Rheinpreußen) geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt, ein Jude, der 1824 zum Protestantismus übertrat. Die Familie war wohlhabend, gebildet, jedoch nicht revolutionär. Nach Beendigung des Gymnasiums in Trier bezog Marx die Universität, erst in Bonn, dann in Berlin, und studierte Rechtswissenschaft, vor allem aber Geschichte und Philosophie. Er beendete 1841 die Universität mit einer Doktordissertation über die Philosophie Epikurs. Seinen Anschauungen nach war Marx zu dieser Zeit Hegelianer und Idealist. In Berlin gehörte er dem Kreis der "linken Hegelianer" (Bruno Bauer und andere) an, die aus der Hegelschen Philosophie atheistische und revolutionäre Schlußfolgerungen zu ziehen suchten.
Nach beendetem Universitätsstudium übersiedelte Marx, auf eine Professur rechnend, nach Bonn. Allein die reaktionäre Politik der Regierung, die Ludwig Feuerbach 1832 um den Lehrstuhl gebracht, 1836 erneut seine Zulassung zur Universität verweigert und 1841 dem jungen Professor Bruno Bauer in Bonn das Vorlesungsrecht entzogen hatte, zwang Marx zum Verzicht auf die Gelehrtenlaufbahn. Die Entwicklung der Ansichten der linken Hegelianer in Deutschland machte zu dieser Zeit sehr rasche Fortschritte. Ludwig Feuerbach insbesondere begann von 1836 an die Theologie zu kritisieren und sich dem Materialismus zuzuwenden, der schließlich 1841 sein Denken völlig beherr- schte ("Das Wesen des Christentums"); 1843 erschienen seine "Grundsätze der Philosophie der Zukunft". "Man muß die befreiende Wirkung" dieser Bücher "selbst erlebt haben", schrieb Engels später über diese Feuerbachschen Schriften. "Wir" (d.h. die linke Hegelianer, darunter auch Marx) "waren alle momentan Feuerbachianer".
Zu dieser Zeit wurde in Köln von radikalen Bürgern des Rheinlands, die Berührungspunkte mit den linken Hegelianern hatten, ein oppositionelles Blatt gegründet: die "Rheinische Zeitung" (sie begann am 1.Januar 1842 zu erscheinen). Marx und Bruno Bauer wurden als Hauptmitarbeiter herangezogen; im Oktober 1842 wurde Marx Chefredakteur und übersiedelte von Bonn nach Köln. Die revolutionär-demokratische Richtung der Zeitung wurde unter der Redaktion von Marx immer bestimmter; die Regierung unterwarf sie zunächst einer doppelten und dreifachen Zensur und beschloß schließlich die gänzliche Unterdrückung der Zeitung am 1. Januar 1843. Marx sah sich daraufhin zur Niederlegung seines Redakteurpostens genötigt, aber sein Abgang rettete die Zeitung auch nicht, und sie mußte im März 1843 ihr Erscheinen einstellen. Unter den von Marx in der "Rheinischen Zeitung" veröffentlichten größeren Artikeln hebt Engels außer den weiter unten angegebenen auch den über die Lage der Winzer im Moseltal hervor. Die journalistische Tätigkeit hatte Marx gezeigt, daß er mit der politischen Ökonomie nicht genügend vertraut war, und er machte sich daher eifrig an ihr Studium.
Im Jahre 1843 vermählte sich Marx in Kreuznach mit Jenny von Westphalen, seiner Jugendfreundin, mit der er schon als Student verlobt war. Seine Frau entstammte einer reaktionären preußischen Adelsfamilie. Ihr älterer Bruder war preußischer Innenminister in einer der reaktionärsten Epochen, 1850-1858. Im Herbst 1843 übersiedelte Marx nach Paris, um im Ausland, gemeinsam mit Arnold Ruge (1802-1880); (linker Hegelianer, 1825 bis 1830 im Gefängnis, nach 1848 Emigrant; nach 1866-1870 Bismarckianer) eine radikale Zeitschrift herauszugeben. Es erschien nur das erste Heft dieser Zeitschrift, der "Deutsch-Französischen Jahrbücher". Schwierigkeiten bei ihrer geheimen Verbreitung in Deutschland und Meinungsverschiedenheiten mit Ruge führten zu i |